Warum Rechenzentren so viel Wasser brauchen
Server und Rechenleistung erzeugen rund um die Uhr große Mengen Abwärme. Damit Computerchips nicht überhitzen, müssen sie konstant gekühlt werden. Die überwiegende Mehrheit der Rechenzentren setzt dabei auf wasserbasierte Kühlsysteme.
Das bedeutet: Für den digitalen Alltag, ob Streaming, KI-Anwendungen, Online-Shopping etc., wird in großem Stil Wasser verbraucht, oft in Regionen, in denen Wasser ohnehin schon knapp ist.
Die Dimensionen sind gewaltig
Einige Beispiele zeigen, wie extrem der Wasserbedarf ist:
- Ein durchschnittliches Rechenzentrum in den USA verbraucht pro Tag über 1 Million Liter Wasser, so viel wie drei mittelgroße Krankenhäuser zusammen.
- Große Rechenzentren können sogar bis zu 19 Millionen Liter Wasser täglich verbrauchen. Das entspricht dem Bedarf einer Stadt mit 10.000 bis 50.000 Einwohner:innen.
- Laut der chilenischen Wasserbehörde können Rechenzentren allein für Kühlzwecke bis zu 169 Liter Trinkwasser pro Sekunde verbrauchen. Wichtig dabei: Es handelt sich um hochwertiges Trinkwasser, da ungereinigtes Wasser die sensiblen Systeme beschädigen würde.
Konkurrenz um Trinkwasser nimmt zu
Natürlich bleibt dieser enorme Wasserverbrauch nicht folgenlos. In Zeiten zunehmender Dürre und sinkender Grundwasserspiegel geraten Rechenzentren immer häufiger in direkte Konkurrenz zu Haushalten, Landwirtschaft und Kommunen.
Besonders problematisch: Rechenzentren werden weiterhin gezielt in wasserarmen Regionen gebaut und verschärfen dort bestehende Wasserknappheit.
Ein aktuelles Beispiel? Google kündigte an, 5,5 Milliarden Euro in neue Standorte in Deutschland zu investieren, unter anderem in Hessen (Hanau und Offenbach). Hessen gehört jedoch nicht (mehr) zu den wasserreichen Bundesländern. Solche Großprojekte heizen die Debatte um Wasserverteilung weiter an.
Klimakrise trifft digitale Infrastruktur
Extreme Hitze ist nicht nur ein Umweltproblem, sondern auch ein Risiko für die Versorgungssicherheit:
- Bei Hitzewellen müssen Betreiber Rechenzentren teils herunterfahren, um Schäden zu vermeiden.
- Im Juli 2022 gingen während einer Hitzewelle in Großbritannien Rechenzentren von Google und Oracle zeitweise offline.
- In Kalifornien kam es im September 2022 bei extremer Hitze zu einem schweren Ausfall im Rechenzentrum von Twitter.
Das zeigt: Eine digitale Infrastruktur, die stark von Wasser und Kühlung abhängt, wird in einer sich aufheizenden Welt zunehmend anfällig und unsicher.
Fazit: Digitalisierung braucht Wasser, aber Wasser ist endlich
Daten- und Rechenzentren
- verbrauchen riesige Mengen Trinkwasser
- verschärfen Wasserknappheit vor Ort
- konkurrieren mit der öffentlichen Daseinsvorsorge
- sind selbst anfällig für Hitze und Klimafolgen
Wenn Rechenzentren künftig noch stärker ausgebaut werden, etwa für KI-Anwendungen, müssen Wasserverbrauch, Standortwahl und Verantwortung endlich mitgedacht werden.
Wasser ist keine unendliche Ressource für digitale Geschäftsmodelle. Es ist die Grundlage unseres Lebens.